Gonarthrose

Wenn das Gehen zur Last wird

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk im menschlichen Körper und erfüllt für eine normale Mobilität im Alltag sowie beim Sport entscheidende Funktionen. Wenn dieses wichtige Gelenk von einer Krankheit betroffen und somit in seiner Funktion gestört ist, bringt dies einschneidende Folgen für Betroffene mit sich. Im höheren Lebensalter wird die Diagnose recht häufig gestellt, doch auch in jüngeren Jahren kann durch falsche Belastung eine Arthrose im Kniegelenk entstehen.

Was bei dieser Erkrankung genau passiert, welche Therapien sich zur Linderung der Beschwerden anbieten und was Sie während des Behandlungsverlaufs beachten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel. Außerdem informieren wir Sie darüber, was es bedeutet, wenn bei Ihnen eine mediale bzw. eine Varusgonarthrose diagnostiziert wurde.

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Dr. Carsten Braune
Gelenkspezialist und erfahrener
orthopädischer Chirurg

Dr. Braune empfiehlt seinen Patienten dank modernster Diagnostik individuelle Behandlungsstrategien und kann als erfahrener orthopädischer Chirurg operative Eingriffe durchführen.
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Dr. Carsten Braune
Gelenkspezialist und erfahrener
orthopädischer Chirurg

Definition

Was ist eine Gonarthrose?

Der Begriff Gonarthrose wird vor allem in der medizinischen Fachsprache verwendet und beschreibt den Umstand, wenn eine Arthrose im Kniegelenk auftritt. Gonarthrose und Kniearthrose können somit synonym zueinander verwendet werden. Allgemein spricht man von einer Arthrose, wenn ein Gelenk von Verschleißerscheinungen geprägt ist. Dabei kommt es zum Abbau von Knorpelgewebe, das normalerweise dafür sorgt, dass die Knochen des Gelenks gut miteinander agieren können.

Der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Arthrose und Arthritis oft gleichgestellt. Allerdings handelt es sich hierbei um zwei verschiedene Erkrankungen. Bei der Arthritis besteht in einem Gelenk eine akute oder chronische Entzündung, die bei einer Arthrose nicht unbedingt auftreten muss. Häufig kommt es aber mit zunehmendem Verlauf, vor allem, wenn eine Erkrankung unbehandelt bleibt, zu einer Kombination beider Erkrankungsformen.

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Therapie

Wie wird eine Gonarthrose diagnostiziert?

Grundlage für jedwede Diagnostik ist in der Regel das Gespräch zwischen Arzt/Ärztin und der behandelten Person, das auch Anamnesegespräch genannt wird. Die Symptome, die bei diesem Gespräch von der betroffenen Person geschildert werden, geben bereits entscheidende Hinweise darauf, ob es sich bei den Beschwerden tatsächlich um eine Kniearthrose handelt.

Aufbauend auf dieses Gespräch erfolgt eine körperliche Untersuchung. Hierbei kann die behandelnde Person bereits feststellen, ob eine Fehlstellung im Kniegelenk vorliegt, die die Ursache für die entstandene Gonarthrose sein könnte. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Formen einer Arthrose unterschieden.

Je nachdem, welche Achsenstellung im Kniegelenk vorliegt, können mediale oder laterale Gonarthrosen auftreten. Bei der medialen Gonarthrose, die auch Varus-Gonarthrose genannt wird, besteht eine O-Beinstellung, die dazu führt, dass vor allem die medialen (also zur Körpermitte hin liegenden) Anteile des Kniegelenks belastet werden und es somit zu einer Degenration des Knorpelgewebes durch Überlastung kommt. Im Gegensatz dazu führt eine X-Beinstellung zu einer lateralen Kniearthrose. Diese Form der Arthrose wird auch Valgus-Gonarthrose genannt.

Körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren für eine genaue Diagnose einer Gonarthrose

Im Verlauf der körperlichen Untersuchung kann ebenfalls festgestellt werden, ob es eventuell bereits zur Bildung einer Zyste (Baker-Zyste) im Bereich der Kniekehle oder zu einem Gelenkerguss gekommen ist, bei dem das Knie geschwollen und überwärmt ist.

Im weit fortgeschrittenen Stadium wird die Oberschenkelmuskulatur der beiden Beine miteinander verglichen. Bestehen die Beschwerden schon über einen langen Zeitraum, so kommt es infolge der Schonhaltung bzw. der Minderbelastung zur Abnahme der Oberschenkelmuskulatur des betroffenen Beines. 

Um eine definitive Diagnose mit Einschätzung eines Schweregrades abzugeben oder um eine Verdachtsdiagnose zu bestätigen, wird meist auch ein bildgebendes Verfahren eingesetzt. Dabei kann auch genau unterschieden werden, ob es sich um eine mediale (Varusgonarthrose) oder um eine laterale (Valgusgonarthrose) handelt. Zur Darstellung der knöchernen Strukturen, die am Kniegelenk beteiligt sind, eignet sich hierbei das Röntgen am besten. Soll die Degeneration von Weichteilen beurteilt werden, so kommt ein MRT zum Einsatz. 

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Einordnung der Arthrose durch Schweregrade

Zur Einordnung der bestehenden Beschwerden werden die Befunde mithilfe von verschiedenen Skalen bewertet. Beispielsweise bedient man sich des Kellgren-Lawrence-Score oder der Outerbridge-Klassifikation. Beide dieser Skalen definieren vier unterschiedliche Schweregrade einer Arthrose, anhand derer dann auch die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

  • Im Falle des Kellgren-Lawrence-Score besagt Schweregrad 0, dass ein Normalbefund vorliegt.
  • Beim Schweregrad 1 besteht der Verdacht einer Gonarthrose, die jedoch noch nicht eindeutig bestätigt wurde.
  • Der Schweregrad 2 beschreibt eine minimale Arthrose, bei der festgestellt werden konnte, dass es zu kleinen Knochenauswüchsen (sog. Osteophyten) gekommen ist, die typisch für arthrotische Gelenk sind.
  • Diese Osteophyten bestehen beim Schweregrad 3 vermehrt und es kann aufgrund des degenerierten Knorpelgewebes ein engerer Gelenkspalt im Kniegelenk nachgewiesen werden.
  • Beim Schweregrad 4 kommt es schließlich zur Verschlechterung der bereits beschriebenen Zustände und gleichzeitig können Deformitäten, d.h. Verformungen, der Knochen nachgewiesen werden, die an der Bildung des Gelenks beteiligt sind.
Mithilfe der Outerbridge-Klassifikation wird vor allem der Zustand des Gelenkknorpels beschrieben. Diese Klassifikation erfolgt hauptsächlich während einer Gelenkspiegelung oder Arthroskopie.

Wie lässt sich eine Gonarthrose therapieren?

Die gute Nachricht ist, dass es einige Ansätze gibt, um eine Kniearthrose zu behandeln. Dabei wird vor allem zunächst auf konservative Methoden zurückgegriffen, die zum Ziel haben, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und einen chirurgischen Eingriff nach Möglichkeit zu verhindern. 

Zur Linderung akuter Schmerzen dienen zunächst Medikamente, die als sog. nicht-steroidale Antirheumatika bezeichnet werden. Beispiele hierfür sind Aspirin oder Diclofenac. Diese werden entweder in Form von Salben auf das betroffene Gelenk aufgetragen oder in Tablettenform eingenommen, wenn die gewünschte Wirkung durch die Salben nicht eintritt. Begleitend dazu sollten bei einer Gonarthrose, die auf eine Fehlstellung der Beine zurückzuführen ist, orthopädische Hilfsmittel, beispielsweise passende Schuheinlagen, zum Einsatz kommen, um das auf das Kniegelenk einwirkende Gewicht besser zu verteilen. Das Ausüben von geeigneten Sportarten wie Schwimmen oder Fahrradfahren führen zu einer angemessenen Belastung des Kniegelenks, die mit entsprechender Durchblutungssteigerung verbunden ist. So kann sich das betroffene Gewebe besser erholen und ggf. wieder etwas Knorpelsubstanz aufbauen.

Hyaluronsäure-Injektionen als Behandlungs­methode

Ebenfalls eine Behandlungsmethode mit guten Erfolgen ist die Injektion von Hyaluronsäure in das betroffene Gelenk. Hyaluronsäure ist ein im Körper natürlich vorkommender Stoff, der zu den Glykosaminglykanen zählt. Die Hyaluronsäure, auch Hyaluronat genannt, hat die Eigenschaft, Wasser gut zu binden und erfüllt deswegen im Körper die Funktion eines natürlichen „Schmiermittels“ der Gelenke. Diese Form der Behandlung eignet sich vor allem dann, wenn der Knorpel innerhalb des Gelenks noch nicht komplett degeneriert ist. Ein Mindestmaß an intaktem Knorpelgewebe ist nötig, damit die Hyaluronsäure eine Oberfläche hat, auf der sie sich gut verteilen kann und auf der sie ihre „Schmiermittel-Funktion“ ausüben kann. Gleichzeitig verlangsamt die Hyaluronsäureinjektionsbehandlung das Fortschreiten der Knorpelzerstörung.

Ergänzend zu den bereits genannten Behandlungsmethoden bieten sich physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kältetherapie an. Eine Gewichtsreduktion kann ebenfalls dabei helfen, die Beschwerden einer Gonarthrose zu lindern, da das Gelenk so geschont werden kann. 

Sollten die aufgeführten Therapieansätze nicht den gewünschten Erfolg bringen, so bleibt als letzte Maßnahme noch die operative Behandlung. Allerdings ist dies in den meisten Fällen nicht notwendig.

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Chancen & Risiken

Welche Chancen und Risiken bestehen bei der Behandlung einer Gonarthrose?

Grundsätzlich muss gesagt sein, dass es sich bei einer Kniearthrose um eine chronische Erkrankung handelt, die langsam fortschreitet. Allerdings kann der Verlauf durch die entsprechende Behandlung verlangsamt werden. Entscheidend dabei ist, dass die Behandlung möglichst in einem frühen Stadium eingeleitet wird. 

Wie bei allen Behandlungen von Krankheiten müssen Nutzen und Risiken immer genau abgeglichen werden. Bei der Gabe von Medikamenten muss darauf geachtet werden, dass keine Allergie besteht. Allerdings darf die verabreichte Dosis auch eine gewisse Grenze nicht unterschreiten, da sonst nicht der gewünschte Effekt erzielt wird.

Da es sich bei der Hyaluronsäure um einen körpereigenen Stoff handelt, besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion bei deren Injektion in das betroffene Gelenk nicht. Allerdings muss hier darauf geachtet werden, dass steril gearbeitet wird und es nicht zu einer Entzündung des Kniegelenks durch verschleppte Keime kommt. Aufgrund der Präzision der Injektion mit einer verhältnismäßig kleinen Nadel ist dieses Risiko jedoch eher gering.

Als zusätzlicher positiver Faktor kommt hinzu, dass die Injektion von Hyaluronsäure meist bereits ab der ersten Behandlung eine Linderung der Schmerzen erzeugt, die über mehrere Monate, in manchen Fällen sogar bis zu einem Zeitraum von einem Jahr anhält. 

Allgemein lässt sich sagen, dass sich der Verlauf einer Kniearthrose mit konservativen Behandlungsmethoden oft gut kontrollieren lässt. Der Einsatz von operativen Behandlungsmethoden ist zum einen mit einem höheren zeitlichen und monetären Aufwand für Patientinnen und Patienten verbunden und zum anderen besteht immer die Gefahr einer Infektion der Operationswunde oder eines ungünstigen Operationsverlaufs.

Konservative Therapien wie die Gabe von Medikamenten oder die Injektion von Hyaluronsäure in das erkrankte Gelenk haben somit in der Regel das bessere Verhältnis aus Risiko und Chance. 

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Vor- & Nachbereitung

Was muss ich rund um die Behandlung meiner Gonarthrose beachten?

Vor Beginn der Therapie einer Gonarthrose sollte eine saubere Diagnose gestellt werden, um auch die adäquate Behandlung einzuleiten. Grundsätzlich sollten sie darüber Bescheid wissen, ob bei Ihnen beispielsweise eine Allergie gegen ein Schmerzmedikament vorliegt, das Ihnen verschrieben wird. Bei der Behandlung mit Hyaluronsäure entfällt diese Vorbereitungsmaßnahme wie erwähnt jedoch. Im Vorfeld einer Injektionsbehandlung mit Hyaluronsäure bei einer Kniearthrose sollten sie jedoch darauf achten, dass das zu behandelnde Knie möglichst sauber bleibt und in dem Areal, in das injiziert werden soll, keine Entzündung und keine Wunde vorliegt. Sollte dies der Fall sein, besteht eine höhere Gefahr, dass es zu einer Verschleppung von Keimen in das Innere des Knies kommt.

Sollten Sie sich für eine Behandlung mit Hyaluronsäure entscheiden, informieren Sie sich bitte vorher bei Ihrer Krankenkasse, ob die Kosten übernommen werden. Allgemein zahlen gesetzliche Krankenkassen für diese Art von Behandlung nicht. Die durchschnittlichen Kosten für die Hyaluronsäure liegen bei ca. 400€ wenn von drei bis fünf Behandlungsdurchläufen ausgegangen wird. Eine einzelne Behandlung ist innerhalb von 10 Minuten durchgeführt und die Zahl der Behandlungen orientiert sich am Behandlungsverlauf.

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